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Lang, lang ist's her...



Minis in concert 2007

 

 

Minis in concert

Neusser Messdiener laden einmal im Jahr zum Musikabend Von Markus Frädrich

Es trötet und brummt in Christ-König: Im Altarraum haben sieben Messdiener mit Blasinstrumenten Aufstellung genommen. Ihre Augen sind konzentriert auf Notenpulte gerichtet, ihre Trompeten, Hörner und Posaunen blitzen im Licht der Deckenleuchten. Die letzten Takte eines Marschliedes verhallen im Kirchenraum, dann setzen alle ihre Instrumente ab. „In Ansätzen kann man schon erkennen, wie’s klingen soll“, meint Benedikt. „Aber das können wir noch besser. Von vorne! Ein, zwei, drei…“ Die Proben für das Konzert der Neusser Messdiener sind in vollem Gange. Zum zweiten Mal wollen die 120 Minis ihrer Gemeinde zeigen, dass sie nicht nur am Altar, sondern auch musikalisch den Ton angeben können. „Es schlummern so viele Talente in jeder Gruppe – man muss sie nur packen“, sagt Oberministrant Stefan. „Die einen spielen ein Instrument, die anderen können gut singen: Jeder darf bei unserem Konzert zeigen, was er kann.“ Die Liste in der Pfarrbücherei, in die sich jede Gruppe eintragen kann, die etwas vorsingen oder -spielen möchte, ist dementsprechend schon bald gut gefüllt. In den Wochen vor dem Konzert stehen die Gruppenstunden ganz im Zeichen der Musik. „Großer Bruder, Du bist immer da, großer Bruder, Herr Jesus Christus…“ – so schallt es etwa aus den Jugendräumen des Thomas-Morus-Hauses. Die Mittwochsgruppe hat sich im Kreis aufgestellt und singt das auf Jesus umgedichtete Big-Brother-Lied, mit dem die Neusser Messdiener im Jahr 2000 schon beim Messdienertag in Altenberg aufgetreten sind. „Wäre wirklich schön, wenn ihr den Refrain bis zum Konzert auswendig drauf habt“, sagt Leiterin Sylvia zu ihren Gruppenkindern. „Dann könnt ihr die Leute auch angucken.“ Während im Jugendraum weiter am Gesang gefeilt wird, donnern in der Kirche mächtige Klanggewitter. Auf der Orgelbank sitzt der zwölfjährige Dominik. Rasant jagt er seine Finger über die Tasten und endet mit einem lauten Schlussakkord. „Ich übe für das Konzert ein Präludium in C-Dur von Bach“, erzählt Dominik, der mit seinem Orgelspiel schon bei „Jugend musiziert“ erfolgreich war. Von Dominiks gesammelten Registern unbeeindruckt üben im Raum hinter der Orgelempore der 16-jährige Benedikt und der zehnjährigen Adrian zwei Stücke für Tenorhorn. Der Satz aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ funktioniert schon ganz gut. Für die „irischen Segenswünsche“ muss Benedikt Adrian, der noch nicht so lange Horn spielt, noch ein paar Kniffe zeigen. „Aber vom Grundprinzip stimmt’s ja schon mal“, muntert Benedikt seinen Duettpartner auf. „Noch mal ab der Wiederholung?“ Am Tag der Generalprobe gleicht die Kirche einem Taubenschlag. Überall wird besprochen und probiert, gefiedelt und geklimpert. In einer Ecke lassen Cello und Geige die „Blue Bells of Scotland“ erklingen, in der anderen proben zwei Sängerinnen Ronan Keatings „When You Say Nothing At All“, dazwischen erklingen jazzige Vibraphon-Klänge. „Moin, moin, alles gut?“ ergreift Obermessdiener Stefan irgendwann das Wort. „Lasst und mal bitte alle zusammen das Finale proben!“ Damit das Publikum weiß, wann das Konzert zu Ende ist, hat sich Stefan als „Schlussgag“ etwas ganz besonderes ausgedacht: Alle Minis sollen die Gemeinde mit einem Abschiedlied aus dem Kindergarten entlassen. „Alle Leut’ / alle Leut’ / geh’n jetzt nach Haus“, stimmen die Gruppenkinder begeistert ein. Zu den Textzeilen „Große Leute, / kleine Leute; / dicke Leute, / dünne Leute;“ werden entsprechende Gesten einstudiert, passend zum Schlussreim sollen alle einen „Abschiedskuss“ ins Publikum hauchen. „Das wird klasse“, meint Stefan. „Also: seid morgen bitte pünktlich eine Stunde vorm Konzert in der Kirche! Und nicht vergessen: Rotes Oberteil und schwarze Hose anziehen – damit’s einheitlich aussieht!“ Am nächsten Abend. Vor der Kirchentür stehen in ihren Messdienergewändern Laura, Svenja und Laura und begrüßen die ankommenden Konzertgäste. Jeder Besucher bekommt ein Programmheft, in dem die Musikstücke des Abends und einige Liedtexte abgedruckt sind. In den Bänken liegen zusätzlich Heftchen mit einem Bild des Künstlers Sieger Köder, auf dem ein Messdiener zu sehen ist, der mit seinem Flambeau über eine Mauer springt. „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ – unter dieses Motto haben die Neusser Messdiener ihr Konzert gestellt. Während sich die Kirche langsam füllt, spielen sich in der Pfarrbücherei die Blechbläser warm. Kurz vor Konzertbeginn. Die Spannung unter den Minis steigt. Wann sind wir noch mal dran? Wie viele Strophen spielen wir? Wie war das noch mit dem Finale? Dann geht’s los: Geordnet ziehen alle in die voll besetzte Kirche ein, nehmen in mehreren reservierten Bankreihen Platz. 18 Uhr, Glockenschlag: Dominik gibt mit seinem Bachpräludium den Startschuss für das Konzert, Stefan und der Gemeindereferent entzünden die Kerzen am Altar und leiten den Abend mit besinnlichem Psalmengesang ein. Nach dem feierlichen Auftakt ist das Eis gebrochen: Neben geistlichen Liedern wie „Laudate omnes gentes“, „Let It Shine“ oder „Herr, gib’ uns deinen Frieden“ überraschen die Minis ihre Zuhörer mit „weltlichen“ Einlagen, wie Cat Stevens’ „Father And Son“ oder „The Lion Sleeps Tonight“. Aber auch mit umgedichteten Stimmungsliedern: „Ach wär’ ich nur / ein einzig mal / ein Ministrant / an dem Altar…“ singt ein stimmgewaltiger „Herrenchor“ und hat damit alle Lacher auf seiner Seite. Aus Olaf Hennings „Komm hol das Lasso raus“ wird „Ich bin ein Ministrant“, auf die Melodie eines Fußball-Fangesangs singen die Messdiener „Ein Leben lang / Ministrant ein Leben lang“. Großen Applaus gibt es für das umgedichtete „Zehn kleine Negerlein“: „Neun kleine Ministranten dienten in der Nacht / Einer der ist umgefall’n, da sind es nur noch acht“ heißt es in einer Strophe. Und was passiert mit vier kleinen Ministranten, die wissen wollten, wer der Beste im Fußball sei? „Einer sprang gegen den Außenpfosten, da sind es nur noch drei…“ Mit ihren Instrumenten sorgen die Messdiener für ähnlich viel Abwechslung: Benedikt (Posaune) und Dominik (Orgel) spielen etwa gemeinsam das berühmte „Largo“ von Händel, setzen aber gleich noch augenzwinkernd ein swingendes „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ hinterher. Besonders originell ist auch die Darbietung der Gruppe „Die Weihrauchkörner“: Während Stefan dirigiert, blasen zehn Messdiener auf verschieden stark gefüllten Flaschen die Melodie des Neusser Heimatliedes – sehr zur Freude der älteren Gemeindemitglieder. Nach zwei Stunden mit viel Musik und meditativen Texten ist es Zeit für das große Finale. Alle Minis nehmen hinter dem Altar Aufstellung, singen, begleitet von Schlagzeug und Keyboard, zunächst ein fetziges „Gloria, Ehre sei Gott“. Dann kommt der lang geübte Kindergarten-Kehraus: „Alle Leut’ / alle Leut’ / geh’n jetzt nach Haus“ singen die Messdiener und hauchen am Ende einen „Abschiedskuss“ in die Bankreihen – die Konzertbesucher lachen, applaudieren lange und begeistert. Ein Mini nach dem anderen verbeugt sich, die Gesichter strahlen. Das viele Proben hat sich gelohnt.
Markus Frädrich, 25.03.08